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Mädchen in männerdominierten Berufen: Du kannst das auch!

"Du kannst das auch?“ – diese Frage hören Frauen in technischen Berufen öfter von ihren (vorwiegend männlichen) Kollegen. Das kommt vor allem daher, dass es immer noch die typischen Berufsfelder für Männer und Frauen gibt. Laut einer Statistik der WKO absolvierten 2020 die meisten Mädchen eine Lehre im Einzelhandel, zur Bürokaufrau oder zur Friseurin. Technische Berufe findet man unter den TOP 10 kaum.

Diejenigen, die aber dennoch ins Handwerk gehen, haben noch heute mit gewissen Vorurteilen zu kämpfen und werden teilweise unterschätzt. Nicole, Selina und Maria können das bestätigen. Sie sind für die Firma Kässbohrer als Lackiererinnen tätig. Mit Sprüchen wie „die Friseurinnen sind woanders“ oder „die guten Noten hast du doch nur, weil du ein Mädchen bist“ wurden sie in der Berufsschule konfrontiert. Dass dem nicht so ist, das beweisen sie Tag für Tag mit ihrer Arbeit. Alle drei sagen, dass sie technische Berufe eher angesprochen haben. So sei einer der Vorteile ihres Jobs, dass sie am Abend ein konkretes Ergebnis sehen: das lackierte Fahrzeug oder Bauteil.

Doch wie kann man junge Mädchen dabei unterstützen, einen handwerklichen Beruf zu erlernen? Förderlich sind hier Programme wie „Frauen in Männerberufen“. Nicole hat über diese Initiative vor Jahren zum Beruf der Lackiererin gefunden: „Wir hatten hier die Möglichkeit in verschiedene Berufe zu schnuppern vom Tischler, über den Mechaniker hin zum Lackierer. Mir hat das Berufsfeld der Lackiererin am besten gefallen.“

Auch „Role Models“, also Vorbilder, sind wichtige Weichensteller. Für Selina und Maria ist Nicole ein solches Vorbild. Sie hat beide immer gefördert und mit ihrer taffen Art die jüngeren Kolleginnen mitgerissen und ihnen geholfen, sich im männerdominierten Umfeld zu behaupten.

Als ein solches Role Model kann auch Yvonne Rohde-Hofbauer, Regional Technical Manager Austria & Central Europe bei der BASF Coatings Services GmbH gelten. Sie hat eine Lehre zur Fahrzeuglackiererin absolviert und ihren Meister dazu gemacht. Ihre Karriere bei der BASF begann sie als Anwendungstechnikerin. Später war sie als Trainerin für die Region Central verantwortlich. Mit 32 Jahren ist sie nun für ein 11-köpfiges Technikteam (darunter 9 Männer) verantwortlich. Für ihr Team macht es dabei keinen Unterschied, dass Yvonne eine Frau ist, im Gegenteil ihre Expertise wird geschätzt. „Ob man von seinen Mitarbeitern oder Kollegen anerkannt wird, hängt natürlich in erster Linie vom Können ab. Und dabei ist es egal, welchem Geschlecht man angehört. Entscheidend ist die Leidenschaft für den Beruf. Ich arbeite auch sehr gern mit Männern zusammen. Natürlich sollte man da nicht zu sensibel sein. Derbere Sprüche kommen da schon vor und damit meine ich nicht beleidigende Sprüche gegenüber Frauen. Männer haben auch untereinander eine andere Art zu kommunizieren als Frauen.“ Dem können auch Maria, Nicole und Selina zustimmen. Ihr Tipp, um sich im eher männlich geprägten Berufsumfeld durchzusetzen: Schlagfertigkeit, Humor, Grenzen aufzeigen.

Und was rät Yvonne, soll man am besten auf die eingangs gestellte Frage antworten? „Ganz einfach: Ja, das kann ich auch!!!“